
Kinder in die Welt setzen ist eine der Grundlagen unseres Existierens als menschliche Spezies auf dieser Welt. Wir alle wurden geboren. Niemand von uns wurde gefragt, ob wir überhaupt geboren werden wollten, ob von dieser Frau, ob in diese sozialen Verhältnisse hinein, ob mit diesem Geschlecht und dieser Hautfarbe, etc….
Aber niemand von uns hat sich auch seine/ihre Geburt gekauft, hat dafür bezahlt, geboren … und großgezogen zu werden. Es geschah, sonst wären wir heute nicht hier. Und dass es geschah, liegt daran, dass Menschen dafür gesorgt haben. Gut oder weniger gut… je nach ihren Möglichkeiten und Lebensumständen. Wir sind also das Ergebnis von jahrelanger (meistens unbezahlter) Sorge.
Noch (!) ist es nicht möglich, einen Menschen zu „produzieren“. Die moderne Reproduktionsmedizin kann zwar (bereits) im Labor die Entwicklung eines Embryos anstoßen, indem in vitro eine Eizelle mit Spermien in Kontakt gebracht wird. Aber ab einem betimmten Punkt, muss dieser Embryo in den Körper eines Menschen mit Gebärmutter einpflanzt werden, damit er überlebt und zu einem lebensfähigen Menschen ausreifen kann. Er ist bedingungslos auf den Austausch mit diesem anderen menschlichen Körper angewiesen, ist vollkommenen abhängig davon. Abhängigeit und notwendiger ständiger Austausch sind ihm also von Anbeginn seiner Existenz in die Gene eingeschrieben.
Ein Kind in die Welt setzen ist eine sehr ernste Angelegenheit, mit der wir sehr verantwortungsvoll umgehen müssen. Nicht alle Menschen können Kinder gebären und sie können es auch nur in einem begrenzten Lebensabschnitt. Eine Schwangerschaft ist zwar die „natürlichste“ Sache der Welt, aber sie stellt immer auch ein Risiko für die Gesundheit und das Leben der Schwangeren dar. Und auch wenn ein Kind nach der Geburt nicht zwangsläufig von dem Menschen großgezgen werden muss, der es geboren hat, geschieht es doch fast immer so, und das seit Menschengedenken.
Einem Embryo den eigenen Körper, die eigene Gebärmutter, zur Verfügung zu stellen, damit er zu einem lebensfähigen Menschen heranreifen kann, muss in der Entscheidungsmacht der betreffenden „Person mit Uterus“ liegen. Unser heutiges Verständnis von Freiheit und dem Recht auf körperlicher Unversehrtheit verbietet z.B. auch, einen Menschen gegen seinen Willen zu einer Organspende, z.B. eine der beiden Nieren, zu verpflichten, um einem anderen das Leben zu retten, weil ja „zum eigenen Überleben eine Niere ausreichend ist“.
Daher unterstützen wir in unserer Regionalgruppe von Care Revolution diesen Aufruf. § 218 muss raus aus dem Strafgesetzbuch!
Wir sind allerdings im gleichen Atemzug dafür, dass sich Menschen frei dafür entscheiden können, ein Kind in die Welt zu setzen und es möglichst gut großzuziehen (Reproduktive Gerechtigkeit). Und damit sowohl das Kind als auch die Person oder die Personen, die es dann groß ziehen, das Gute Leben haben, setzen wir uns von Care Revolution ein für eine gesellschaftliche Transformation hin zu einer Care zentrierten Gesellschaft, zu einer Care zentrierten Ökonomie:
- Ausreichend Zeit für die lebensnotwendige Carearbeit, um uns gut umeinander kümmern zu können. Daher: Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit auf maximal 30 Stunden bei vollem Lohnausgleich für Geringverdienende. Niemand soll mit Carearbeit überfordert werden oder dadurch verarmen. Die Sorgebeziehungen sollen gerechter werden.
- Ausbau der sozialen Sicherungssysteme: existenzsicherndes und Teilhabe ermöglichendes Bedingungsloses Grundeinkommen.
- Ausbau der Infrastrukturen der öffentlichen Daseinsvorsorge, damit alle bezahlbaren Zugang haben zu Gesundheit, Bildung, Wohnen, Mobilität
- Mehr Demokratie, soziale Teilhabe, Abbau aller Formen von Diskriminierung
- Sozial verträglichen Umbau unseren Lebensstils hin zu Schutz von Klima und Biodiversität, und zwar für die Menschen aller Länder dieser Einen Welt. Nicht Profitmaximierung, sondern die Bedürfnisse der Menschen auf einem bewohnbaren Planeten ins Zentrum stellen!
