Liebe Care-Revolutionär*innen, liebe Freund*innen und Interessierte,
im März ist viel im und ums Netzwerk herum passiert und davon wollen wir euch hier berichten.
Vergesellschaftung im Care-Bereich als Teil einer sozial-ökologischen Transformation
Wie kann eine Vergesellschaftung im Care-Bereich zur sozial-ökologischen Transformation beitragen? Und mit welchen Projekten wollen wir das als Care-Bewegung zeigen und in die Praxis umsetzen? Mit solchen Fragen haben wir uns im Care-Strang der Konferenz „Let’s Socialize – Vergesellschaftung als Strategie für Klimagerechtigkeit“ vom 15. bis 17.3. am Werbellinsee beschäftigt.
Für uns ist klar: Eine klimagerechte Gesellschaft ist nur möglich, wenn Menschen versorgt sind und durch tragfähige Sorgebeziehungen miteinander verbunden sind. Eine Gesellschaft, die tragfähige Sorgebeziehungen durch ausgebaute Care-Infrastrukturen für alle und Räume für kollektive Organisation von Care-Aufgaben auch jenseits der Kleinfamilie unterstützt, ist eine lebenswerte und ökologischere Gesellschaft: Menschen werden versorgt, Menschen können sich ohne Zeitdruck und Mehrfachbelastungen um andere kümmern, grundlegende Bedürfnisse rücken ins Zentrum der Aufmerksamkeit, alle können sich entsprechend ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen einbringen und Menschen kommen mit weniger Gütern und individuellen Ersparnissen aus. Vergesellschaftung im Care-Bereich bedeutet, dass Beschäftigte und Nutzer*innen Care-Einrichtungen selbst verwalten, diese nicht mehr auf Gewinnerzielung und Kostensenkung ausgerichtet sind und dass die „unsichtbare“ Care-Arbeit in den Haushalten durch kollektive Lösungen ergänzt und ersetzt wird. Und Vergesellschaftung bedeutet Demokratisierung im Sinn einer Verfügung aller über diesen Aspekt ihres Lebens. Das beinhaltet einen Zugang zu Care-Infrastrukturen für alle, demokratische Entscheidungs- und Organisationsstrukturen sowie kollektives Experimentieren mit Care-Praxen in selbstorganisierten Sorge-Settings. Hier findet ihr unseren Beitrag zu Klima, Care und Vergesellschaftung auf der Konferenz. Mitte April wird ein Beitrag über die Ergebnisse des Care-Strangs in der Zeitschrift LuXemburg erscheinen und auf auch unserer Homepage veröffentlicht werden.
Auf der Konferenz wurden drei Projektgruppen zu Care, Klima und Vergesellschaftung ins Leben gerufen. Eine Projektgruppe beschäftigt sich damit, wie man gegen Gewinne im Gesundheitssystem vorgehen kann. Es gibt die Idee einer Massenklage gegen Veruntreuung von Krankenkassenbeiträgen, die in der Projektgruppe weiter verfolgt werden soll. Die zweite Gruppe befasst sich damit, was ein Narrativ um die Verbindung von Klimagerechtigkeit, Care und Vergesellschaftung sein kann und wie dieses bekannter gemacht werden kann. Die dritte Gruppe befasst sich mit dem Konzept der Sorgenden Städte und der Kampagne Sorge ins Parkcenter, die ein leerfallendes Kaufhaus in Berlin zu einem Sorgezentrum umbauen möchte. Diese Kampagne könnte in weiteren Städten aufgegriffen und als bundesweite Kampagne „Shoppingmalls zu Sorgezentren“ gestaltet werden. Auch nachbarschaftliche, selbstorganisierte Care-Strukturen sowie Projekte zur Demokratisierung, wie z.B. Care-Räte Projekte, könnten sich darunter zusammenschließen. Weitere Infos zu den Projektgruppen werden in Kürze folgen. Wenn ihr bereits Interesse habt, in einer dieser Gruppen mitzuarbeiten, meldet euch bei uns: koordination@care-revolution.org!
Weiterführende Literatur zu Care, Klima und Vergesellschaftung findet ihr hier:https://zeitschrift-luxemburg.de/artikel/sorgende-staedte/ Von Barbara Fried und Alex Wischnewski. Vorstellung von Konzept und Praxis „sorgender Städte“
https://www.b-b-e.de/bbe-newsletter/newsletter-nr-5-vom-1032022/winker-care-revolution-als-klimagerechtigkeitspolitik/ Von Gabriele Winker. Kurzer Beitrag, der den Kern ihres Buchs wiedergibt.
https://communia.de/vergesellschaftung-ist-feministisch-die-sorgen-vergesellschaften-aber-wie-1/ Vergesellschaftung ist feministisch: Die Sorge(n) vergesellschaften – aber wie? Gastbeitrag bei Communia von Nadine Gerner
Und zum Hören:
Dissenspodcast mit der Kampagne Sorge ins Parkcenter: https://podcast.dissenspodcast.de/251-sorge
Dissenspodcast zur Konferenz: https://podcast.dissenspodcast.de/250-klima
Was ist sonst noch im Netzwerk passiert?
Am Equal Care Day (29.02), Equal Pay Day (06.03.) und am feministischen Kampftag (8.3) sind viele von uns auf die Straßen gegangen, um für Gleichberechtigung und feministische Werte einzutreten. Ganz besonders wollen wir als Care Revolution Netzwerk deutlich machen, dass Care endlich als gesellschaftliche Aufgabe aller angesehen werden muss – unabhängig von Geschlecht oder anderen Kategorien bzw. Zuschreibungen wie sozioökonomische Bedingungen oder race. Hier findet ihr einen Bericht der Dortmunder Regionalgruppe.
Die Regionalgruppen Heidelberg, Bielefeld, Frankfurt und Freiburg haben sich an Ostermärschen beteiligt und mitorganisiert, um sich für die Linderung von Leid und Zerstörung einzusetzen. Hier kommt ihr zu den Berichten der Bielefelder und der Heidelberger Gruppe.
Auf der von der Veranstaltungs-AG organisierten Veranstaltung Radikale Politik in der Care-Bewegung – ja klar! Aber was ist das überhaupt? haben Aktivist:innen des Erfurter Bildungskollektivs Biko ihre Thesen aus dem Buch „Radikalisiert euch!“ vorgestellt und wir haben darüber diskutiert, was das in der entlohnten und unentlohnten Sorgearbeit bedeuten würde.
Kommende Termine
#BeLikeNina – Pflegekräfte in der Ukraine kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen
Unter #BeLikeNina ist vor ein paar Jahren in der Ukraine eine Protestbewegung und aus der Bewegung eine Gewerkschaft für Pflegekräfte entstanden. Schon kurz nach der Entstehung von #BeLikeNina sind die Aktiven mit den zusätzlichen Belastungen durch die Corona-Pandemie konfrontiert, und seit Februar 2022 arbeiten sie unter den Bedingungen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. Ungeachtet dessen sind sie gewachsen und haben bessere Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte erkämpfen können. Wir haben zwei der Initiator*innen von #BeLikeNina , Nina Kozlovska und Oksana Slobodyana, eingeladen, um mehr darüber zu erfahren.
Online-Veranstaltung am 11.4. 18 bis 20 Uhr. Anmeldung unter: careveranstaltung@posteo.de
Bei dem Treffen besprechen wir die Ideen der Projektgruppen des Care-Strangs, besprechen das 10-jährige Jubiläum und tauschen uns mit Aktivist:innen aus den Bereichen Armut, Migration und Klima über Schnittstellen zu anderen Bewegungen aus. Mehr findet ihr hier.
Online-Veranstaltung am 20.4. von 10-17 Uhr. Anmeldung bis 17.4. unter: carenetzwerktreffen@posteo.de
